Love it, change it, leave it. Oder wie du mit Krisen richtig umgehst.
Jan 24, 2025
Fühlst du dich von deinen Kunden gefordert? Entwickeln sich die neuen Mitarbeitenden nicht wie erhofft? Oder geht dir dein Chef auf die Nerven?
Im Leben läuft selten alles nach Plan. Immer wieder stehen wir vor Situationen, in denen wir uns fragen: Kann das wirklich so weitergehen? Und falls nicht – wie finde ich heraus, was zu tun ist? Besonders als Unternehmer oder Führungskraft stehen wir oft vor der Herausforderung, Krisen nicht nur zu bewältigen, sondern gestärkt daraus hervorzugehen.
Es gibt Momente, in denen wir am liebsten alles hinschmeissen würden. Doch ist das wirklich die richtige Entscheidung? Auf der anderen Seite ist „aushalten“ auch nicht immer der beste Weg. Ganz gleich, ob es im Beruf, im Privatleben oder in einer Beziehung gerade kriselt: Wir haben immer die Wahl – und damit auch die Verantwortung, eine Entscheidung zu treffen. Das folgende Vorgehen kann dir helfen, beim nächsten Mal eine gute Lösung zu finden und den Weg aus der Krise zu ebnen.
Ein hilfreicher Leitspruch stammt von Henry Ford: „Love it, change it, leave it.“ Übersetzt bedeutet das: Liebe es, ändere es oder lass es sein. Diese Methode erinnert uns daran, dass wir immer eine Wahl haben. Wenn dir etwas im Leben nicht gefällt, kannst du die Situation annehmen, wie sie ist (love it), sie aktiv verändern (change it) oder dich davon lösen (leave it).
Natürlich gibt es Situationen, in denen nicht alle drei Optionen möglich sind. Manche Veränderungen liegen nicht in unserer Macht, oder das Verlassen einer Situation bringt weitreichende Konsequenzen mit sich. Doch in den meisten Fällen bleibt dir mindestens eine dieser drei Möglichkeiten. Und das allein ist schon ermutigend: Egal, wie schwierig die Lage ist – es gibt immer einen oder sogar mehrere Auswege!
Glück ist oft eine Frage der Perspektive.
Es kommt darauf an, wie wir die Dinge beurteilen. Selbst gravierende Schicksalsschläge oder schwere Unfälle müssen nicht zwangsläufig unglücklich machen. Häufig sind es gerade die grössten Herausforderungen, aus denen wir am meisten lernen und wachsen können. Die Methode „Love it, change it, leave it“ hilft uns dabei, nicht in die Opferrolle zu fallen. Denn wenn wir anderen die Schuld für unsere Situation geben, geben wir ihnen auch die Macht, etwas daran zu ändern – und nehmen sie uns selbst.
Gefühle wie Unfreiheit, Ohnmacht und Ausgeliefertsein wirken sich stark negativ auf unser Glücksempfinden aus. Wer an dem Punkt angelangt ist, an dem er nicht mehr weitermachen kann wie bisher, sollte sich folgende Fragen stellen:
- Liebe ich, was ich tue?
- Kann ich etwas verändern?
- Oder ist es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen?
„Love it, change it, leave it“ klingt einfach, erfordert in der Praxis aber viel Mut. Jede der drei Optionen zwingt uns, unsere Komfortzone zu verlassen und aktives Handeln dem blossen Jammern vorzuziehen. Lass uns daher die drei Möglichkeiten etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Love it?
Macht es mir Spass, was ich mache? Liebe ich meinen Job und meine Verantwortung? Würde ich meine Arbeit auch machen, wenn ich wüsste, dass meine Zeit begrenzt ist?
Im Zentrum unternehmerischer Tätigkeit steht die Vision – sie motiviert uns, gibt uns Orientierung und zeigt uns, wofür wir kämpfen. Gerade in schwierigen Zeiten kann diese Vision der Rettungsanker sein, der uns aus der Krise führt. Unternehmertum soll Freude machen, nicht auslaugen.
Vielleicht ist nicht alles an deiner Situation problematisch. Beantworte dir folgende Fragen:
- Was macht mir an meinem Job Freude? Ist es das Team, die kreative Freiheit oder die Unabhängigkeit? Gibt es Kunden, die dir für deine Arbeit gedankt haben?
- Welche positiven Seiten hat die Situation für mich?
- Kann ich durch diese Situation etwas lernen?
- Würde mir etwas fehlen, wenn ich die Situation ändern oder verlassen würde?
- Kann ich die Situation vermeiden und hätte das negative Folgen für mich?
„Love it“ bedeutet in erster Linie Selbstreflexion. Im ersten Schritt geht es darum, die aktuelle Situation zu analysieren: Ist sie wirklich so schlecht, wie ich denke oder nehme ich sie nur so wahr, weil ich mich schon so an die Opferrolle gewöhnt habe? „Love it“ bedeutet auch, dass ich Dinge, die ich nicht ändern kann, hinnehmen muss. Manchmal erkennen wir erst nach einer Reflexion, dass die schwierige Phase nur ein kleiner Teil des grossen Ganzen ist – und wir mehr Positives finden, als wir auf den ersten Blick sehen. Diese kleinen Lichtblicke helfen uns, die eigene Position wieder zu lieben und mit gestärktem Optimismus anzugehen.
Change it?
Wenn du merkst, dass die Freude trotz aller Bemühungen nicht ausreicht, frage dich: Was kann ich aktiv verändern? Oft genügen schon kleine Anpassungen, um eine grosse Wirkung zu erzielen. Ein klärendes Gespräch mit einem Kunden oder Mitarbeitenden kann Missverständnisse beseitigen. Vielleicht helfen neue Strukturen oder die Unterstützung durch Partner, um Herausforderungen besser zu meistern.
Hilfreiche Fragen, die dir Klarheit verschaffen können:
- Will ich überhaupt etwas an der Situation ändern?
- Was genau möchte ich verändern?
- Was stört mich an der aktuellen Lage am meisten?
- Welche äusseren Umstände müssten sich ändern?
- Wie soll das gewünschte Ergebnis aussehen?
- Kann ich mich selbst verändern?
- Gibt es etwas, das ich lernen muss, bevor ich etwas ändern kann?
- Wie kann ich mein Ziel auf anderen Wegen erreichen?
- Wer kann mir dabei helfen?
Ein Perspektivenwechsel kann oft Wunder bewirken und Herausforderungen in Chancen verwandeln. Welche neuen Wege könnten sich dadurch auftun? Besonders in Krisen entdecken wir oft unerwartete Lösungen. Sie decken Schwachstellen auf, die wir zuvor übersehen haben, und bieten die Gelegenheit, langfristig besser zu werden. In schwierigen Momenten zeigt sich auch, wer im Team eine echte Unterstützung ist. Menschen mit frischen Ideen und Tatkraft können entscheidend dazu beitragen, eine Krise in eine Erfolgsgeschichte zu verwandeln.
Der Prozess der Veränderung
Veränderungen sind unvermeidlich, wenn wir uns weiterentwickeln wollen. Doch Veränderung ist oft eine grosse Herausforderung. Gute Vorsätze allein genügen nicht, denn Hindernisse und Widerstände führen uns schnell wieder in alte Muster zurück. Sich der typischen Phasen eines Veränderungsprozesses bewusst zu sein, kann helfen:
- Euphorie: Zu Beginn herrscht Aufbruchstimmung. Die Vorfreude motiviert und treibt uns an.
- Desillusionierung: Nach einiger Zeit erkennen wir, dass die Umsetzung doch schwieriger ist, als gedacht. Zweifel schleichen sich ein, und die Gefahr des Aufgebens wächst.
- Lernen: Wer die zweite Phase übersteht, beginnt Fortschritte zu sehen. Mit Disziplin und Durchhaltewillen wird der Weg klarer.
- Veränderung: Erste Ziele werden erreicht, und die anfängliche Euphorie kehrt zurück. Die Angst vor weiteren Veränderungen schwindet, und man gewinnt Mut für zukünftige Herausforderungen.
Geduld und Mut zum ersten Schritt
Veränderungen geschehen nicht über Nacht. Sie benötigen Zeit, Geduld und den Willen, Herausforderungen anzunehmen – auch wenn diese teils unangenehme Konsequenzen mit sich bringen. Es lohnt sich jedoch, diese zu akzeptieren und neu schätzen zu lernen.
Vergiss dabei nicht: Auch das Nichtstun hat seinen Preis. Es kostet Frustration, Unzufriedenheit und vielleicht wertvolle Lebenszeit. Veränderung beginnt mit dem Mut zum ersten Schritt – und mit der Entschlossenheit, dranzubleiben.
Leave it?
Wenn jedoch weder Freude noch Veränderung eine Lösung bringen, bleibt oft nur der letzte Schritt: loslassen. Manchmal ist es der einzige Weg aus der Sackgasse, Platz für Neues zu schaffen. Denn wie der Gärtner alte Äste stutzt, um neues Wachstum zu fördern, müssen auch Unternehmer manchmal harte Entscheidungen treffen. Vielleicht ist es Zeit, ein Produkt aus dem Angebot zu nehmen, das nicht mehr rentabel ist. Vielleicht ist es besser, einem Kunden, der nur noch Probleme verursacht, höflich Lebewohl zu sagen. Oder es könnte nötig sein, sich von einem Mitarbeitenden zu trennen, der nicht mehr in das Team oder zur Vision passt.
So schwer dieser Schritt auch fällt, ist er oft notwendig, um langfristig Raum für frische Energie, neue Ideen und nachhaltigen Erfolg zu schaffen. „Leave it“ ist die radikalste Massnahme. Aber wenn sich an der aktuellen Situation partout nichts Positives finden lässt oder einem sogar schadet, dann darf man nicht krampfhaft daran festhalten. Verlasse es – den Job, die Partnerin, falsche Freunde, toxische Menschen …
Ob du bereit bist, die Initiative zu ergreifen und die aktuelle Situation zu verlassen, können dir die folgenden Fragen zeigen:
- Welche Konsequenzen hat es, wenn ich die Situation verlasse?
- Kann ich die Auswirkungen tragen?
- Was wären die nächsten konkreten Schritte?
- Was muss ich dafür in Kauf nehmen?
- Welche Risiken gibt es?
- Wie schnell muss ich aus der aktuellen Situation raus?
- Was kann ich tun, um in Zukunft nicht mehr in die gleiche Situation zu kommen?
Love it, change it, leave it.
Egal, ob du dich entscheidest, deine aktuelle Situation zu lieben, etwas zu verändern oder loszulassen – dieser Ansatz gibt dir eine klare Struktur, um Krisen aktiv anzugehen. Denk daran: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Denn jeder Schritt, den du bewusst gehst, bringt dich näher an dein Ziel – sei es persönliches Wachstum, beruflicher Erfolg oder einfach mehr Zufriedenheit in deinem Alltag.
Krisen als Chance begreifen
Krisen sind unangenehm, keine Frage. Doch sie sind auch ein wertvoller Kompass, der uns zeigt, wo wir stehen und was wir ändern müssen. Mit den drei Fragen „Love it? Change it? Leave it?“ kannst du herausfinden, was für dich der richtige Weg ist. Und wer weiss – vielleicht wird die Krise am Ende der Anfang eines ganz neuen, erfolgreichen Kapitels sein.